TRÄUME WAGEN KLASSIK

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TRÄUME WAGEN und der MSC Trittau e.V. im ADAC wagten sich in diesem Jahr erstmals an eine Rallye, die Stress und Streit vergessen lassen sollte: Das Fahren der Klassiker in schönster Landschaft stand im Mittelpunkt. Willkommen bei der TRÄUME WAGEN KLASSIK.

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Jedes Wochenende in jedem Sommer schreddern wieder Youngtimer, Oldtimer und Klassiker durch sämtliche Bundesländer – es ist Rallyezeit. Am Steuer oft unentspannt schauende Herren mit Reizpotenzial, daneben – von mindestens fünf synchronisierten Atomuhren umgebene – verzweifelte Ehefrauen mit einem Roadbook auf dem Schoß. Dieser Sport ist cool, er ist anspruchsvoll - aber er kann sehr anstrengend sein, wenn man ihn ernst nimmt.
Was am Freitag den 17. Juli vor dem City Center Bergedorf anrollte, schien allerdings schon ab der ersten Minute von diesem Stress nicht befallen zu sein. Lachende, Mettbrötchen mampfende Menschen mit Kaffee in der Hand in coolen, fast ausschließlich europäischen Autos aus mehreren Jahrzehnten. Es sind mal andere Teilnehmer als sonst bei der diesjährigen TRÄUME WAGEN RALLYE. Während man die Fotoserien der etablierten Veranstaltungen über die Jahre fast austauschen kann, weil stets ähnliche, Goodwooderfahrene Pretiosen um die Wette fahren, knötert hier auch mal ein Fiat 126, da ein D-Kadett und dort ein 190er Evo mit im Feld. Das geht gut los, und als Verlagsrepräsentanten ließen es Marco Wendlandt und ich in diesem Jahr in seinem wollüstigroten 1984er Carrera krachen, den er gerade aus den Staaten importiert hat(siehe TRÄUME WAGEN 5/15). Startnummer 1 hatte dabei ausschließlich Nachteile: Man musste früh aufstehen, weil man als erster durch den Torbogen fuhr. Man konnte niemandem hinterherfahren. Man war auch nicht Erster am Buffet bei den Etappenzielen, weil man sich an den vorgegebenen Zeitplan halten musste.

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Egal – los geht‘s: erste Etappe Flesensee, zweite Berlin..
Das Konzept aus Roadbook-Navigation, Wertungsprüfungen und Zeitkontrollen ist auf dieser Veranstaltung bewusst entspannt gehalten, um allen Teilnehmern eine gut gelaunte Ausfahrt durch die wunderschönen Landschaften rund um die Mecklenburgische Seenplatte in ihren klassischen Autos zu ermöglichen. Das bedeutet weniger „fiese“ Streckenfindung, weniger Zeitprüfungen und längere Etappen, auf denen einfach nur gefahren wird. Das kommt gut an. Umdenken heißt für uns mit der Startnummer 1 aber auch, dass wir als Wegfindungspionier vorweg schroten und uns in Sicherheit wiegen, solange ein paar alte Hasen im Rückspiegel zu sehen sind. Das sind am Anfang meistens der silberne GTV 2000 Bertone und der rote MG. Zwischendurch zuckt Pilot Marco regelmäßig der Gasfuß, und er lässt den Luftboxer kräftig durchatmen. Wenn dann minutenlang niemand mehr hinter uns zu sehen ist, wird er nervös und wirft vorwurfsvolle Blicke auf seinen Beifahrer und Navigator, der sich allerdings selten einer Schuld bewusst ist – ein Dreamteam. Je weiter das Feld aus 35 Autos der Baujahre 1946 bis 1993 auseinandergezogen wird, desto öfter kreuzen Teilnehmer die Strecke, die da eigentlich noch gar nicht sein sollten. „Touristisch“ heißt eben nicht automatisch „kinderleicht“: Wohl denen, die sich beim Briefing im Vorfeld von Klaus Hartjen und Ingo Huter über die Tücken der Wegfindung haben aufklären lassen.

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Nach hochwertig asphaltierten Aufbau-Ost-Alleen, kaiserzeitlichen Kopfsteinpfl asterstraßen und vergessenen NVA-Panzerplatten-Feldwegen schlemmen alle gemeinsam im Van Der Valk Landhotel Spornitz und se-hen tatsächlich noch weitestgehend gut gelaunt aus. Konzept aufgegangen? Wer jemals eine als „hart“ eingestufte Rallye gefahren ist wird wissen, welches Stress- und Streitpotenzial so eine Veranstaltung birgt. Das mag für viele eine Herausforderung sein, uns schmecken heute Fisch und Fleisch mit Gemüse und Kartoffeln einfach besser als je zuvor. Leider gibt es einen Ausfall zu beklagen: Der Benz Evo, bei dem grad noch die „Bulleneier“ gemacht wurden (wenn Sie nicht wissen, was das ist, hatten Sie noch keinen Mercedes...) hat sein ganzes Hydrauliköl ungewollt den neuen Bundesländern spendiert –Exodus. Superschade, die Jungs hatten bis hierher richtig Spaß.

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Aber wie gelassen ansonsten die Zeitfenster zwischen den einzelnen Zeitkontrollen und Stempelposten entlang der Strecke getaktet sind, zeigt sich immer, wenn Gasfuß-Marco mal wieder die sechs Zylinder freigelassen hat und man einfach noch nicht mit uns rechnet… Hektisch werden im Angesicht des roten Zuffenhauseners Tische aufgeklappt, Stempel gesucht und Uhren resettet. „Was wollt ihr denn schon hier, wir haben erst in 20 Minuten mit euch gerechnet?!“ So bleibt zwischendurch viel Zeit für die profanen Bedürfnisse entlang der Strecke und für Gespräche unter Männern, die thematisch für immer im Inneren dieses Autos bleiben werden.
Doch bei aller Gelassenheit, die Ankunft im Iberotel Flesensee (das Etap-penziel für den ersten Tag) ist wundervoll. Die Tische sind reichlich gedeckt und der Koch brutzelt schon emsig das Barbecue sponsored by Mirbach & Dost GmbH – Klaus Dost hat es sich übrigens nicht nehmen lassen, in sei-nem 1976er BMW 1502 die komplette Rallye mitzufahren und sollte in der Klasse 1971 bis 1985 gemeinsam mit unserer Event-Spezialistin Catherine Hausdörfer von IMAGE ENTERTAINMENT schließlich einen respektablen Dusche, britzelndes Mineralwasser, die Zwischenergebnisse und das eine oder andere alkoholische Getränk später am Seeufer bei einem unfassbar romantischen Sonnenuntergang. Geigen, bitte. Herrlich.

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Die zwei mit der Nummer 1 dürfen nicht so lange schlafen wie die anderen, denn um 9:01 Uhr geht es direkt und unbarmherzig weiter in Richtung Berlin. Im Parc Fermé dösen noch die Autos, in der Nacht hat es geregnet und ein paar verpennte Amseln trippeln zwischen Breitreifen und Stahlfelgen umher. Wohl dem frühen Vogel, und mit ein paar Litern Kaffee im Blut geht es mit peinlich-Hits der 90er weiter, vorbei an sehenswerten Orten mit ausgefallenen oder berühmten Namen wie „Benzin“ und „Rom“ und saftigen Landschaften voller Menschen, Stempel und „Baumaffen“. Wir haben schon lange keine dieser aufgestellten Nummern mehr gesehen, die wir in die Bordkarten eintragen müssen, um den korrekt gefahrenen Streckenverlauf zu dokumentieren – wieder vorwurfsvolle Blicke zum Beifahrer. Na danke. Vielleicht haben wir auch einfach nur zu laut und zu ausgelassen Herrenthemen diskutiert und uns zu wenig auf die Strecke konzentriert?

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Beim letzten Mittagessen auf Gut Hesterberg stehen alle Fahrzeuge sexy aufgereiht im Vorhof um einen plätschernden Brunnen herum, und noch einmal fällt auf, dass sich Oldtimerfreunde wegen ihres Hobbys immer finden werden, egal wie teuer oder wie alt ihre Autos sind. Da steht ein Mitsubishi Colt GTI von 1992 neben einem 1960er SL und einem Lancia Aurelia von 1956. Da versprüht ein Audi Quattro von Treser seinen 80er Charme breitbeinig über die Motorhaube eines BMW 318 Cabrio. Ein Treffen der Generationen, man spricht über die Prüfungen, die falsch gefahrenen Nebenstraßen und die Autos, die man selbst gern hätte und die hier vielfach zu bewundern sind. Das macht Spaß und schweißt zusammen.

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Je weiter wir nach Berlin kommen, desto eher existieren auch Möglichkeiten, einen Kaffee zu erwerben und den nicht gegen Glasperlen oder die Südfrüchte aus dem CCB-Lunchpaket eintauschen zu müssen. Letzte navigatorische Anstrengungen durch den Berliner Dschungel mit verhee-renden Verkehrsmeldungen, die Autobahnen betreffend. Aber wer will denn schon heute noch nach Hause? Vor dem Forum „Echt Köpenick“ werden die Teilnehmer von Passanten und Fans und dem fröhlichen Hauptmann von Köpenick in seiner Uniform begrüßt. Er ist der erste Cop, den wir auf der insgesamt 300 Kilometer langen Strecke zu sehen bekommen. Gibt es in den „neuen Bundesländern“ keine? Oder ist das Leben hier noch so in Ordnung, dass sie am Wochenende zu Hause bleiben? So oder so, ich fänd beides gut. Bei der schillernden Abschlussgala im pentahotel Berlin-Köpenick wird mit Preisen und Pokalen nicht gegeizt, und so mancher Teilnehmer wundert sich. Die einen, weil sie dachten, dass sie wesentlich besser abgeschnitten hätten. Und die anderen, weil sie mit einer derart guten Platzierung überhaupt nicht gerechnet hätten. Tja Kameraden, Atomuhren und digitale Trip-Computer sind eben nicht alles. Auch Herz, Hirn und ein bisschen Glück spielen bei der TRÄUME WAGEN KLASSIK mit. Jörn Rompel und Maren Hoffman haben sich in ihrem GTV 2000 Bertone den verdienten Pokal geholt – gut dass wir sie so oft im Rückspiegel hatten.

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